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„Global denken, lokal betreiben“
Im Gespräch mit Dr. Christian Schlicht erläutert Angelika Dankert, Key Account Director bei Apleona, wie internationales Facility Management (FM) für länderübergreifende Immobilienportfolios funktioniert. Im Mittelpunkt steht ein Modell, das zentrale Governance, einheitliche Qualitätsziele und vergleichbare Daten mit lokaler Verantwortung verbindet. Entscheidend ist dabei nicht, Prozesse überall identisch auszuführen, sondern verlässliche Ergebnisse, Transparenz und eine konsistente Nutzererfahrung über Ländergrenzen hinweg sicherzustellen.
- Globale Leitplanken, lokale Umsetzung: Master Service Agreements und lokale Vereinbarungen regeln Verantwortlichkeiten, Governance, Qualitätsstandards, KPIs und Reporting. Gesetze, Marktbedingungen, Kultur und operative Anforderungen werden weiterhin vor Ort berücksichtigt.
- Klare internationale Steuerung: Apleona organisiert internationale Kunden im Bereich International Corporate Clients in Branchenclustern. Ein Key Account Director fungiert als zentraler strategischer Ansprechpartner und koordiniert zentrale Teams, Landesgesellschaften und operative Einheiten in einer Matrixstruktur.
- Mehrwert für Kunden: Die Bündelung reduziert Vertrags- und Schnittstellenkomplexität, schafft einheitliche Kennzahlen sowie Vergleichbarkeit und entlastet die Kundenorganisation. Der wesentliche Nutzen liegt nicht nur im Einkauf von FM-Leistungen in mehreren Ländern, sondern in der Fähigkeit, diese grenzüberschreitend zu steuern.
- Voraussetzung ist Veränderungsbereitschaft: Ein internationales Modell eignet sich nicht automatisch für jeden Kunden. Es erfordert Change Management, intensive interne Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis der Ziele und Vorteile.
- FM orientiert sich an der Wertschöpfung: Prioritäten unterscheiden sich nach Standort und Gebäudetyp. In Produktion, Pharma und Healthcare können Ausfälle kritischer Anlagen, unzureichende Luft- oder Temperaturqualität sowie mangelnde Reinigung erhebliche Folgen für Betrieb, Nutzer und Marke haben.
- Qualität wird messbar gemacht: Einheitliche Anforderungen, Systeme, KPIs und Governance ermöglichen zentrale Transparenz. Lokale Teams behalten jedoch die Flexibilität, die vereinbarten Ergebnisse entsprechend den jeweiligen Bedingungen zu erreichen. Ein hoher Eigenleistungsanteil reduziert zusätzliche Schnittstellen; Partnerstandorte benötigen besonders klare Kontrollen.
- Interkulturelle Kompetenz ist erfolgskritisch: Vertrauen, Entscheidungswege und Geschäftsgepflogenheiten unterscheiden sich zwischen Ländern. Erfolgreiches internationales FM setzt Selbstreflexion, Offenheit und die Fähigkeit voraus, andere Verhaltensweisen als unterschiedlich, aber gleichwertig einzuordnen.
- Daten vor Digitalisierung: Internationales Reporting braucht zunächst ein sauberes Datenmodell, klare Begriffe, Zuständigkeiten und Qualitätsanforderungen. Erst auf dieser Grundlage können Automatisierung und KI belastbare Ergebnisse und wirtschaftlichen Nutzen liefern.
- FM wird zum Resilienzpartner: Angesichts von Cyberrisiken, Extremwetter, Lieferkettenproblemen und regulatorischen Unterschieden unterstützt FM zunehmend die Betriebsfähigkeit des Kunden. Gefragt sind Vorsorge, kritische Ersatzteile, regionale Handlungsfähigkeit und partnerschaftliche Zusammenarbeit.
- Menschen bleiben zentral: Fachverbände, Studien und Publikationen sind wichtig, doch der direkte Austausch mit erfahrenen Menschen vor Ort liefert oft die wertvollsten Erkenntnisse. Zugleich setzt sich Dankert im GEFMA Ladies Board für mehr Sichtbarkeit von Frauen in strategischen und leitenden FM-Funktionen ein.
Hier geht es direkt zum Podcast: „Global denken, lokal betreiben“ – Wie internationales FM wirklich funktioniert: zwischen Standardisierung und Realität (#147) | InnoFM Podcast